Samstag, 8. September 2012

Die Tennisstunde

Ich war in meiner Erholungsphase. Die "Scheibe" war -auch dank SSRI, Therapie etc.- schon merklich schwächer. Mit einem schwächeren Tennispartner hatte ich einen Match. Es war morgens und ich hatte nicht sehr gut geschlafen. Ausserdem war der Tennisplatz für mich neu. Zwei Elemente, die für mich immer auch leichte Desorientierung bedeuten konnten und vor allem die Anfälligkeit auf die DR begünstigten.
So war es also auch, ich begann den Tennismatch vollkommen belämmert, fragte mich, wo ich gerade war und ob ich auch wirklich wach war oder noch träumte. Das Resultat war, dass mich der Gegner eins ums andere mal übertölpelte und ich die Spiele verlor. Und nun: IRGENDWANN wurde mir das zu blöd! Ich wusste doch, dass ich besser war als der Gegner. Meine innere Beschäftigung mit meinem Zustand ("bin ich was müde! hab ich schlecht gepennt! hab ich 'ne Scheibe!") hielt mich offensichtlich gefangen und ich war dabei den Match zu verlieren.
Als mir das klar wurde, kam eine Art innere Wut auf: NEIN! So NICHT! Ich werd doch nicht gegen den verlieren! Plötzlich begann ich mich auf DEN NÄCHSTEN BALL zu konzentrieren. Ich WOLLTE den nicht reinlassen! Ich WOLLTE den so zurückspielen, dass der Gegner herausgefordert würde. Und je stärker ich mich auf DEN BALL und auf mein Spiel konzentrierte - je mehr mich der EHRGEIZ packte, desto besser spielte ich auch. Plötzlich gelangen die Returns und ich punktete. Und ziemlich bald wendete sich das Blatt. Ich ging in Führung und gewann. UND DA -im Nachhinein- bemerkte ich, dass die Scheibe weg war.  Ich hatte mich auf etwas anderes fokussiert.
Mir wurde nach diesem Spiel klar, dass ich die Scheibe nie frontal angreifen und loswerden konnte. Die Scheibe besiegt man nicht auf die Art. Sondern indem man die innere Beschäftigung mit der Scheibe ERSETZT durch die Beschäftigung mit etwas anderem. Mit etwas, das den eigenen WILLEN fördert und gleichzeitig unsere Konzentration fordert.
Das muss natürlich nicht unbedingt Tennis oder Sport sein; aber das Prinzip wurde mir mit jener Tennisstunde völlig klar.